Wie ich bereits in einem andern Artikel erzählte war mir vor einigen Jahren beim Stöbern im Internet ein alter Bekannter aus früheren Zeiten untergekommen, eben mein alter Funker Karl (Eduard) Henn, der unter dem Namen Neobazi einen Blog unterhielt, den Club der halbtoten Dichter, in dem er unter Anderem auch Geschichten aus seinem Leben, und da natürlich besonders aus seiner Zeit bei der Seefahrt, erzählte.

Vor jetzt 3 Jahren ist Karl Henn, der Seeblogger, still gestorben und hat eine Lücke gerissen.

Karl Eduard Henn - Neobazi - Seeblogger - Opa Edi
Karl Eduard Henn, Neobazi und Seeblogger, Foto: Matt Wagner, http://rueckseitereeperbahn.blogspot.com

 

Ich hatte ja darauf vertraut, dass all seine Geschichten und Filme und Bilder noch ewig, oder wenigstens lange, im Internet erhalten bleiben, aber immer mehr davon verschwindet und bleibt höchstens im Internetarchiv versteckt. Aber dazu muss man wissen, was es gibt, um dort etwas zu finden. Und nur einige seiner damaligen „Bloggerkollegen“ halten Sachen, die in Bezug zu ihm stehen, online.
Und das fand und finde ich schade.

Das gilt besonders, für mich, für eine Geschichte.

Er hatte sie „Bound for Veracruz“ genannt und sie erzählt von den tragischen Ereignissen bei einer Fahrt aus dem persischen Golf über das südliche Afrika nach Mexico. Und vor Allem erzählt sie seine Geschichte dann in Mexico, eben in Veracruz, wo er eine große Liebe fand und sie dann doch wieder verlor, oder verlassen hat, wie es Seeleuten halt so geht.

Für mich war es eine Erinnerung auslösende Geschichte, denn ich habe ihn dann auf der Heide Leonhardt kennen gelernt, als das Schiff nach Veracruz neu beladen wurde, wieder bestimmt für den persischen Golf, mit weitgehend mit den gleichen Leuten, dem 2 Offizier E. Sch., dem Kapitän Kuddel S. mit all seinen Eigenheiten, der Crew an Deck und Maschine und dem Feudelgeschwader. Und übrigens auch mit meinem Chiefsteward, der im Moment gerade in Nicaragua den Winter austrickst und den Teenies beim Baden zuschauen dürfte.

Nur war halt ich jetzt auch noch dazu gekommen und lernte den Funker Karl Henn kennen, und verstand ihn nicht so richtig, so gut wir uns auch sofort verstanden. Mit seinen Stimmungsschwankungen. Der Melancholie einerseits und dann wieder überschäumender Laune.

Eine Zeit sind wir dann gemeinsam über die Weltmeere gefahren, bis er in Singapur abmusterte.
Getroffen haben wir uns dann nicht mehr. Außer in dem inzwischen entstandenen Internet.

Und da war dann die Geschichte, die erklärte, warum er damals so war.

Und ich möchte, dass diese Geschichte erhalten bleibt und habe sie daher aus den Archiven heraus geholt und stelle sie online.

Als Denkmal für den Neobazi, zur Erinnerung an den Seeblogger, aus Respekt für Karl Eduard Henn.

Hier ist sie also:

 

 

Club der halbtoten Dichter: Bound for Veracruz 10/08/2008 09:32 AM

Sommer 1975 im Persischen Golf. Im Iran herrscht der Schah, die Wirtschaft boomt. Vor jedem Hafen liegen bis zu 120 Schiffe auf Reede und warten auf Abfertigung. Unter 6 Wochen Wartezeit läuft gar nichts. Die mörderische Hitze und der eintönige Tagesablauf stellen die Besatzungen auf harte Proben. Auf der Reede von Kuwait messen wir 55 Grad an Deck. Öffnet man den Mund, fährt einem der heiße Wüstenwind wie eine glühende Faust die Kehle hinab.
MS „Heide Leonhardt“ hat es geschafft.

 

Heide Leonhardt auf der Reede von Kuwait, Persischer Golf

Reede Kuwait, Persischer Golf - Karl Eduard Henn

Nach einem halben Jahr im Golf haben wir in Bandar Abbas den Rest einer Ladung Stückgut gelöscht und passieren die Straße von Hormuz mit Kurs auf Maputo in Mozambique. Ladehafen wird zwar Durban in Südafrika, doch aufgrund des UNO-Boykotts gegen das Land der Apartheid wird für die Ladung Mais nach Mexiko in den Papieren später Maputo, das frühere Lourenco Marques, als Ladehafen erscheinen. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den südafrikanischen Nachbarn läuft reibungslos.
Außerhalb der Wachzeiten halte ich mich selten im Funkraum auf, denn die Klimaanlage schafft dort oben auf der ‚Alm‘ nur noch 30 Grad. Mein Lieblingsplatz ist die Mannschaftsmesse, der kühlste Ort. Hier nehme ich auch die Mahlzeiten ein, niemand stört sich daran.
Mein bester Kumpel ist der Bootsmann. Klaus A. ist ein norddeutscher Sunnyboy, dem die Weiber an Land hinterher sind wie die Fliegen dem Mist. Er hat eine starke Vorliebe für alles Bayerische, seinen Urlaub verbringt er regelmäßig auf der Blickner Alm bei Ruhpolding. Auch die Resis und Zenzis stehen auf ihn. Er ist noch verhältnismäßig jung, in seinem Job macht ihm trotzdem keiner etwas vor. Er ist in jeder Hinsicht souverän.
Leider kann ich nicht an seiner Back sitzen, denn er hat an einem Zweimannstisch den Schlosser als Gegenüber. So speise ich also am Kopfende der Matrosenback zwischen zwei Berlinern. Zu meiner Rechten sitzt Klaus F., ein netter Junge, den ich seit seiner Decksjungenzeit kenne und verdammt gut leiden kann.
Heute gibt es Sauerbraten mit Kartoffelknödeln und Rotkohl zu Mittag.

Klaus schenkt mir seine Knödel, verdrückt dafür meinen Sauerbraten. Zum Nachtisch schmeißt der Koch doch tatsächlich Eiscreme auf den Markt, weiß der Teufel, wo das Zeug die ganze Zeit versteckt war. „Ich frage jetzt zum letzten Mal: wer ißt sein Eis nicht?“ tönt es vom Bootsmann herüber. Hämisches Gelächter ist die Antwort.
Um 12.00 Uhr treffen sich die Offiziere täglich auf der Brücke, auch der Funkoffizier findet sich ein. Vielleicht verkündet der Kapitän ja eine Neuigkeit.
Der Alte heißt Kuddel S. und ist ein alter Hase, mit sämtlichen Wassern der Seefahrt gewaschen. Was er für perfektes Englisch hält, ist reines Plattdeutsch. Zwar wird er immer verstanden, versteht selbst aber nur, was er will.
„Wehe dir, du verbesserst mich, wenn ich englisch spreche!“ hat er mich ganz am Anfang gewarnt und ich halte mich daran. Kuddel ist kein Abstinenzler und steht häufig unter Strom, trinkt aber nur Bier. Normalerweise sieht er wie ein Penner aus, heute trägt er weiße Uniform mit Shorts.

Die Offiziere hängen auf Steuerbordseite der Brücke herum. Ich geselle mich dazu. Kuddel marschiert auf uns zu, scheißt uns wie üblich zusammen:
„BAFÖG, wenn ich das schon höre. Euch wird doch heute nur noch Zucker in den Arsch geblasen. Ich mußte mir damals alles selbst zusammensparen.“
Er bleibt kurz vor uns stehen, dreht sich um und geht nach Backbord zurück. Auf seinen weißen Bermudas, genau in der Mitte, prangt ein großer brauner Fleck. Wir schauen uns an und lachen lautlos in uns hinein. Kuddel ist in seinem Element:
„Keine müde Mark hab ich bekommen. Wir mußten als Matrosen sogar noch unser eigenes Besteck und Kojenzeug auf die Dampfer mitbringen, damit ihr’s wißt. Das würde euch verwöhnten Säcken auch gut tun.“ Er macht eine Kehrtwendung und wir senken die Blicke. Doch er hat etwas gemerkt.
„Was ist los mit euch? Warum grinst ihr denn so blöde?“ Keiner sagt etwas, wir müssen uns krampfhaft das Lachen verkneifen.
„Was los ist, habe ich gefragt“ poltert er weiter.
„Herr Kapitän“ ich versuche ernst zu bleiben, „ihre Hose, sie müssen sich da irgendwo reingesetzt haben.“
Er zieht seine Flatterjeans nach vorne und sieht den Fleck. „Reingesetzt, reingesetzt. Red doch nicht so kariert daher. Einen feuchten Pups werde ich gelassen haben. Das kann doch mal passieren, oder?“
„Selbstverständlich, Herr Kapitän.“
„Also, ich mach jetzt meinen Schönheitsschlaf. Geweckt werde ich nur bei Schiffsuntergang oder Gehaltserhöhung. Ist das klar?“
„Jawoll, Herr Kapitän“ schallt es im Chor und bis auf den wachhabenden Zweiten Offizier verkrümeln sich alle.
Zur tea time um 15.00 Uhr kommt man wieder in der Mannschaftsmesse zusammen. Die Matrosen sind klatschnaß, ihr Job heißt heute Lukenwaschen. Das Schiff fährt in Ballast, ist also völlig leer. Zur Aufnahme der Maisladung in Durban müssen die Laderäume absolut sauber sein, mit bloßem Fegen ist es nicht getan.
Bei dieser Hitze ist Lukenwaschen eine angenehme Tätigkeit, allerdings nicht ganz ungefährlich. Doch die See ist ruhig und die Matrosen haben den Job schon hundertmal gemacht. Wie üblich, wird in der Pause herumgealbert.
Klaus F. fragt mich noch: „Meinst du, daß mein Brief auch wirklich rechtzeitig ankommt?“
„Ich denke schon. Wir werden morgen Monsun bekommen und dann wohl nicht mehr allzu schnell sein.“
„Hoffen wir’s.“ Klaus will sich in Durban verloben. Er ist mit einer Schwarzen zusammen und unsterblich in die Schneeflocke aus den townships verliebt. Sie im Schwarzenghetto zu treffen, ist jedesmal ein Abenteuer, er muß sich auf dem Weg dahin hinten im Taxi verstecken, denn Weißen ist der Zutritt verboten. In den townships selbst droht keine Gefahr, die Schwarzen schirmen ihn gut ab. Klaus plant, das Mädchen später zu heiraten und nach Berlin mitzunehmen.
Die Matrosen gehen wieder an die Arbeit. Ich schieße mich bis zum Wachbeginn noch ein Deck höher beim Steward auf, der gleichzeitig mit mir zu arbeiten beginnt.
Kurz vor Vier rennt plötzlich ein Matrose an unserem Bulleye nach achtern und mit dem Bootsmann zusammen wieder nach vorne. Es muß etwas passiert sein, denn an Bord wird normalerweise nicht gerannt. Wir gehen an Deck hinaus und hören jemand rufen: „.. in die Luke gefallen. Holt den Alten.“
Klaus A. klettert schon die Leiter zu Luke 3 hinunter. Aus den Aufbauten stürzt der Kapitän nach vorne. „Holt die Tragbahre“ ruft er uns zu.
Wir schleppen das Gerät aus dem Lazarett nach vorne zu Luke 3. Ich schaue über die Kumming in den geöffneten Laderaum. Ganz unten im Unterraum liegt Klaus F. in gekrümmter Haltung bäuchlings auf dem Stahlboden. Er muß vom Zwischendeck zehn Meter tief in den Unterraum gefallen sein.
Die Bergung von Verletzten ist ein immer wieder geübtes Rollenmanöver und klappt wie im Schlaf. Mein Platz ist dabei im Funkraum, doch diesmal bleibe ich am Eingang zu den Aufbauten stehen. Die Tragbahre wird mit dem Ladebaum an Deck gehievt, zwei Matrosen tragen Klaus nach achtern, an uns vorbei ins Hospital.
Klaus lebt, doch der rechte Arm ist zerschmettert und sein Gesicht wirkt eigentümlich verschoben. Er ist ohne Bewußtsein und röchelt leise.
Der Kapitän geht hinter der Tragbahre her. Er kommt auf mich zu. „Los, hol Hilfe. Wir brauchen einen Arzt. Ich bleibe bei Klaus.“
Ich renne auf die Brücke und lasse mir unsere Position geben, mittlerweile hat der Erste Offizier übernommen. „Was ist passiert?“
„Klaus F. ist in die Luke gefallen. Er lebt noch, der Alte ist bei ihm im Hospital.“
Ich schmeiße den Sender an und hämmere auf der internationalen Notfrequenz 500 kHz unsere Dringlichkeitsmeldung in den Äther. Ein russischer Frachter quittiert sofort, leider hat man keinen Arzt an Bord. Die Küstenfunkstelle Muskat der Arabischen Emirate bestätigt die Meldung ebenfalls. Obwohl es mich ins Lazarett zu Klaus hinunter zieht, kann ich den Funkraum jetzt nicht mehr verlassen. Ein Matrose bringt einen Zettel mit einer Nachricht des Kapitäns an die Reederei:
„1605 ortszeit position ausgang strasse von hormuz stop matrose f. beim lukenwaschen von zwischendeck in unterraum gefallen stop zahlreiche knochenbrüche schwere schaedelverletzung stop kaum hoffnung stop kapitaen.“
Ich schalte um auf Kurzwelle. Norddeich Radio meldet sich sofort. Ich jage das Telegramm hinüber und höre wieder die Notfrequenz 500 kHz. Dort werde ich bereits von Muskat Radio gerufen:
xxx dihl muskat radio
master heide leonhardt
fast patrol boat with doctor onboard proceeding speed 40 kts please verify your position
harbourmaster muskat
Ich flitze auf die Brücke hinüber, wir kontrollieren die Position. Der IO hat sich in der Aufregung um zehn Grad verhauen, danach stehen wir 600 Meilen weiter nördlich, hoch und trocken irgendwo in Persien an Land.
Wir berichtigen unseren Standort auf 2508n 5730e.


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Der Erste ändert Kurs auf die Ansteuerung von Muskat.

Ich shifte auf Sprechfunk 2182 kHz, weil das Schnellboot auf den Handelsschiff-Frequenzen nicht senden kann. Schließlich bin ich selbst zwei Jahre lang Schnellboot gefahren.
Das Boot meldet sich in akzentfreien Englisch, vermutlich ist der Kommandant Engländer. Wir tauschen erneut die Positionen aus, der Tommie kann uns in etwa 2 Stunden erreichen. Dann fragt er noch „How is the situation on board now?“
„No change so far, Sir. Our man is very seriously hurt. Several bone fractures and severe head injuries, I presume.“
„Roger, understood. Well, we’ll do our best to reach you as soon as possible.“
„Roger, thanks very much, Sir.“ Muskat Radio hat ebenfalls umgeschaltet und mitgehört.
Dann höre ich Schritte auf der Treppe, es ist der Kapitän. Er hat Tränen in den Augen, sieht mich an und schüttelt den Kopf.
„Es ist vorbei, war nichts mehr zu machen. Vor zehn Minuten hat er aufgehört zu atmen. Der OA hat noch beatmet, aber die Gehirnflüssigkeit kam schon aus den Ohren heraus.“
Er setzt sich.
„Schick das Schnellboot zurück, die können uns auch nicht mehr helfen. Wir gehen trotzdem nach Muskat. Klaus kann ja nicht an Bord bleiben.“
Ich rufe das Schnellboot:
„we thank you very much for your assistance, sir, but our crewmember just passed away. All efforts of reanimation remained without success. So we do not require your assistance any longer. Thanks very much again, sir.“
„Roger, well understood. Very sorry for you, mate.“
Dann rufe ich Muskat Radio: „Could you please advise your harbourmaster accordingly. We are still heading for Muskat. Please also ask German Embassy to assist for disembarking the body.“
„O.K. Sir, we’ll do so.“
Dann gibt mir der Alte die Nachricht für Hamburg:
„Matrose F. um 1700 Uhr Ortszeit an Bord verstorben. Reanimationsversuche ohne Erfolg. Anlaufen Muskat ETA 2030 local zur Ausschiffung der Leiche. Botschaft eingeschaltet. Verständiget Agentur. Kapitän.“
Bei Norddeich Radio scheint man auf uns gewartet zu haben. Nachdem der Funker mein Telegramm quittiert hat, morst er langsam zurück: „und nun noch eine traurige Nachricht für den Funkoffizier. Sind sie bereit?“
„Senden sie.“
Er telegrafiert: “ … Tante Marie heute eingeschlafen. Beerdigung uebermorgen. Vater.“
Ich bestätige und registriere den Inhalt, begreife aber noch nicht. Es zieht mich hinunter zu Klaus. Ich lasse das Telegramm auf dem Tisch liegen und gehe ins Hospital.
Der Offiziersanwärter, der ein paar Semester Medizin studiert hat, der Bootsmann und der Zweite Offizier haben Klaus bereits gewaschen und angekleidet. Man holt den Zinksarg aus dem Store und bettet ihn hinein. Niemand redet. Dann gehen wir an Deck. Die Sonne steht tief, die Küste ist bereits in Sicht.
Kurz nach 20.00 Uhr erreichen wir die Reede von Muskat und werfen Anker. Die Flagge weht auf halbmast. Die Behörden warten schon, mit dabei sind ein Botschaftssekretär und der Agent der Reederei.
Die Formalitäten sind rasch abgewickelt. Der englische Hafenarzt untersucht den Toten und schlägt vor, die Leiche sofort mitzunehmen, da bei diesen Temperaturen die Verwesung schnell einsetzt. Der Kapitän ist einverstanden. Wir hieven den Sarg auf das Boot und nehmen Abschied. Das Schiff muß bis zum Mittag des nächsten Tages liegenbleiben, bis alle Details der Überführung geklärt sind.
Ich begebe mich in den Funkraum zurück und finde das Telegramm. Tante Marie, das ist fast mehr als eine Mutter für mich. Sie ist die edelste und verständnisvollste Frau, die ich kenne und der Vergleich mit Mutter Theresa ist sicher erlaubt. Als ich mich im Altenheim vor sieben Monaten von ihr verabschiedet habe, hat sie zum ersten Mal geweint. Vielleicht hat sie es gewußt. Nun kann ich nicht einmal mehr einen Kranz schicken. Aber Vater wird das schon richten.
Kaum einer kann in dieser Nacht schlafen. Ich muß zu Klaus A. auf die Kammer. Klaus liegt auf der Koje und starrt an die Decke. Ich weiß, was in ihm vorgeht. Die Luke war nicht abgesichert und er war der Verantwortliche. Noch am Morgen hatte er darauf hingewiesen. „Ihr kennt ja die Sicherheitsvorschriften“ hatte er gesagt. Aber er will seine Leute auch zur Selbständigkeit erziehen und kontrolliert nicht jedes Detail persönlich nach.
Ich setze mich zu ihm auf die Koje und zünde mir eine Zigarette an. Er nimmt sie mir aus der Hand und zieht daran. Klaus raucht schon lange nicht mehr. Wir reden nicht, doch keiner will alleine sein. Ich bleibe eine ganze Weile.
„Es hat keinen Sinn, sich Vorwürfe zu machen.“ sage ich dann leise, „davon wird er nicht wieder lebendig.“
„Ich weiß“ sagt Klaus.
Am anderen Morgen erhalten wir über UKW Nachricht der Agentur, daß die Leiche wieder an Bord gebracht wird und wir eine Seebestattung durchzuführen haben. Die Eltern von Klaus wollen es so. Keine der Airlines hat einen Kühlsarg für die Überführung nach Berlin vorrätig und in der Wüste verscharrt möchte der Vater seinen Sohn nicht wissen. Wir haben das zu akzeptieren.
Gegen Mittag bringt ein Boot die Leiche zurück. Sie ist bereits für die Seebestattung präpariert und sieht aus wie eine Mumie. Wir müssen nur noch die Grundgewichte an den Füßen anbringen, damit sie auch versinkt. Der Botschaftssekretär hat eine Flagge mit Bundesadler mitgebracht.
Das Schiff läuft mit kleiner Fahrt fünf Seemeilen vor die Küste:

Die Leiche liegt auf einem Walking Board unter der Bundesdienstflagge. Heimatland- und Reedereiflagge wehen auf halbmast. Die Besatzung steht im Halbkreis um den Toten herum, Kapitän und Offiziere tragen Uniform.
Der Erste Offizier stoppt die Maschine, das Schiff treibt in nur leicht gekräuseltem, tiefem Blau.
Der Kapitän findet die richtigen Worte:

Dann spiele ich über die große Verstärkerbox an Deck das Adagio aus Beethovens Neunter. Eigentlich wollte ich die Egmont Overtüre dafür, aber die Kassette hat geeiert. Erst bei dieser Musik beginnen die meisten zu weinen.
Der Kapitän gibt mir ein Zeichen, ich blende die Musik aus.
„So Klaus“ sagt er dann, „nun tritt deine letzte Reise an.“
Sein Berliner Freund kappt mit dem Bordmesser die Leine. Das Walking Board kippt zur Seeseite hinab und Klaus rutscht unter der Flagge heraus in die unbewegte See. Mit den Füßen voran geht er in Schräglage sofort auf Tiefe.
Das Schiff nimmt Fahrt auf und bringt den Botschaftssekretär nach Muskat zurück.
Die Besatzung geht schweigend auseinander.
*
Am Tag danach empfängt uns wie erwartet der Monsun. Er bläst ziemlich genau aus Süd, kräftiger als normal und erreicht bald volle Stärke 8 auf der Beaufort Skala.
Mit leerem Schiff machen wir kaum noch Fahrt über Grund. Der Alte beginnt, um den Generalkurs herum zu kreuzen wie mit einem Segler. Trotzdem verlieren wir vier Tage bis Maputo. Die Charter gerät jedoch nicht in Gefahr, die Deadline für das Anlieferungsdatum wird nicht überschritten.
Die Stimmung an Bord ist gedrückt, das schlechte Wetter tut ein Übriges dazu.
In Maputo wird kurz Ein- und gleich wieder Ausklariert, wir benötigen die Papiere für den Ladungsschwindel. Bis auf eine folgenlose Grundberührung wegen eines betrunkenen Schlepperkapitäns passiert nichts von Bedeutung in dem Hafen, der zu Zeiten der portugiesischen Kolonialherrschaft als Paradies für Seeleute galt. Zwei Tage später machen wir an der Ladepier in Durban fest. Die Beladung mit Mais in Bulk, also als Schüttgut vom Fließband, beginnt sofort.

Dann kommt der Moment, vor dem sich der Kapitän, wie er zugibt, gefürchtet hat. Nachdem Klaus F. nicht wie erwartet in den townships aufgetaucht ist, erscheint sein Mädchen an Bord, die Verlobung soll ja gefeiert werden.
Wir stehen gerade an Deck herum, einer führt sie zum Kapitän, in dessen Haut jetzt keiner stecken möchte.
Nach einer halben Stunde kommt sie wieder herunter, der Alte bringt sie zur Gangway und besorgt ihr ein Taxi.
Ich sehe das Mädchen zum ersten Mal. Es ist eine hübsche, recht zierliche Person, doch Klaus war ja auch kein Riese. Ihre Haare sind glatt und lang, also ist sie keine Zulu. Möglicherweise trägt sie auch eine Perücke.
Man sieht, daß sie geweint hat, doch jetzt ist sie völlig ruhig. Der Alte umarmt sie, dann fährt das Taxi davon. Ein paar weiße Südafrikaner auf der Pier schauen mißbilligend oder böse. Ein weißer deutscher Kapitän mit einer schwarzen Nutte …., ein Scheißland. Dabei fahren sie alle nach Mozambique, weil sie geil auf die Mädchen sind.
Der Alte geht an uns vorbei. „Das war nicht so schlimm wie ich dachte“ meint er und verschwindet in den Aufbauten.
Später erstellen Vertreter der Deutschen Botschaft Protokolle über den Unfallhergang, die Zeit dazu war in Muskat zu kurz.
Am Nachmittag dann große Aufregung: Ein halbes Dutzend schwarzer Klageweiber stürmt den Dampfer und dringt zum Kapitän vor. Die Verlobte von Klaus ist nicht dabei.
Die alten Weiber produzieren ein fürchterliches Gejammer, Gewimmer und Geheul. Es geschieht bei Kuddel im Kapitänssalon, doch der ganze Dampfer wiederhallt. Es ist nicht auszuhalten, wir flüchten an Deck. Ich sehe den Bootsmann an und kann nicht anders, ich muß lachen. Sogar Klaus verzieht sein Gesicht zu einer leichten Grimasse.
Wir können uns gut vorstellen, wie es beim Alten jetzt zugeht, wie die dicken Mammies um ihn herumflattern und sich auf den Teppich schmeißen. Das Geheule ist sogar hier draußen noch zu hören. Irgendwie hat das Ganze etwas Befreiendes.
Nach zwanzig Minuten ist der Spuk vorbei. Die Weiber verlassen den Dampfer, jede hat ein Geschenk unter dem Arm. Sie quatschen fröhlich durcheinander.
Dann kommt Kuddel mit einer Bierbuddel in der Hand heraus. „Habt ihr das gehört? Was meint ihr, was da los war! Das glaubt mir in Hamburg keiner. Die kommen jetzt jeden Tag wieder, solange der Dampfer hier liegt. Aber morgen kommen sie vormittags.“
Wir verstehen, der Mittagsschlaf ist heilig.
Die Weiber kommen tatsächlich noch zweimal wieder, beide Male am Vormittag. Kuddel hätte auch an Land gehen und die Sache dem Ersten Offizier überlassen können. Aber dafür ist er ein viel zu guter Kapitän, wir rechnen es ihm hoch an.
Am dritten Tag ist die Beladung abgeschlossen. Wir verlassen Durban, laufen um den Süden Afrikas herum, passieren das Kap der Guten Hoffnung und nehmen Kurs auf die Karibik.
Auf der Südhalbkugel ist es Winter, eine außergewöhnlich hohe Dünung läuft aus Süden heran. Das Schiff ist randvoll mit Mais, ein idealer Beladungszustand, und liegt hervorragend in der See.
Wir machen gute Fahrt, durchqueren planmäßig Passatzonen und Kalmengürtel. Auf der Höhe von Trinidad weichen wir einem Hurrikan aus, der glücklicherweise nach Norden abdreht und zunächst nicht in die Karibik hineinzieht.

 

Party in der Messe der Heide Leonhardt vor Einlaufen Veracruz

Prost Matrose, Veracruz wartet - Karl Eduard Henn

Fast einen halben Tag früher als vorausberechnet kommen wir in Veracruz/Mexiko an und gehen ohne Verzögerung an die Pier.
Gelöscht wird in LKW’s, für die gesamte Operation wird ein Zeitraum von zwei Wochen veranschlagt.
Ich versorge die Besatzung mit Vorschuß, bis auf die Wache und den Kapitän ist bald niemand mehr an Bord. Kuddel geht nie sofort an Land, er muß bei ein paar Bieren auf seiner Kammer die vergangene Reise erst verarbeiten. Diesmal sind es sicherlich ein paar Biere mehr geworden.
In Veracruz dürfen mit Ausnahme der Waschfrauen keine Mädchen auf die Schiffe, man müßte schon die Wachposten bestechen. Das macht keinen Sinn, die Plaza ist nur vierhundert Meter weit entfernt. Dort brodelt das Leben.
Kuddel schickt mir seine Waschfrau nach oben, eine schon etwas reifere Senora mit Zahnlücken und kräftigen Händen. Sie faßt mich sofort an die Schenkel, prüft und lacht: „mui forte hombre, eh?“
Ich lache auch und gebe ihr ein paar Unterhosen und Hemden, die sie in der Lotsentoilette nach alter Sitte wäscht. Wir haben zwar zwei Waschmaschinen an Bord, doch die Senora muß ja auch etwas verdienen.
Schon jetzt fühle ich mich wohl, wir sind in Mexiko, hier stimmt alles. Heute würde man sagen, es paßt.
Nachdem die größte Hitze vorüber ist, gehe ich an Land. Inzwischen hat auch die abgelöste Wache ihr Geld abgeholt.
Schon am Hafentor stellt sich dieses Glücksgefühl ein. Das T-Shirt wird bis unter die Achsel hochgezogen, der warme Wind spielt um den Bauch. Die Menschen lachen dich freundlich an und winken dir zu, besonders die Senoritas. Kinder hüpfen herum und fassen dich an der Hand. Hunde liegen faul im Schatten, gähnen und räkeln sich apathisch. Es riecht nach exotischen Speisen, manchmal leicht nach Moder. Und von der Plaza her hörst du die Mariachi. An Tagen wie diesem macht die Seefahrt Spaß.
Auf der Plaza ist Hochbetrieb. Unsere Leute haben vier nebeneinander liegende Tische besetzt, ein paar Senoritas sind bereits eingetroffen. Der Cuba Libre fließt in Strömen. Der Leichtmatrose ist schon ziemlich breit. Sein Mädchen versucht ihn zu bremsen, er soll schließlich noch etwas beschicken heute nacht.
„Halbe Fahrt“ lacht er nur, „wir haben ja soooviel Zeit. Dos semanas, comprendes, dos semanas, alles paletti, OK?“
„Si amigo, comprendo. Dos semanas boracho.“
Drei oder vier Mariachi-Gruppen sind über die Plaza verteilt, man hört das gesamte Repertoire durcheinander. „Guantanamera“, „Cielito Lindo“, „Mexico“ und an unseren Tischen immer wieder„Una lacrima por tu amor“ , unser Hit in jenen Tagen.

Nach dem fünften Cuba Libre gehe ich mit dem Dritten Offizier noch etwas „die Beine Vertreten“.
Wir schauen im Mi Ranchito, dem Puff, vorbei, wo noch nichts los ist und landen am Strand. Es ist schon dunkel, also Hosen runter und rein. Das Meer ist warm, 26 Grad sind es bestimmt. Wir schmeißen uns in den warmen Sand, alle Viere von uns gestreckt und schauen in die Sterne.
Dunkel und rhythmisch schlägt die Brandung auf den Strand.
„Ich hol uns was zum Rauchen“ sagt der Dritte, zwängt sich in die Jeans und verschwindet in der Dunkelheit. Oben an der Straße besorgt er von einem Taxifahrer Grass und Blättchen für eine Riesentüte, die wir gemeinsam hineinziehen. Das Zeug ist gut, wir halten den Rauch in den Lungen und gehen ab wie Raketen. Wir reden, lachen und albern herum. Dann schnappen wir unsere Klamotten und bewegen uns am Wasser entlang, Ich gehe auf Watte in Fünfzigmeterschritten, es ist der Wahnsinn. Irgendwo fallen wir wieder in den Sand, machen noch ein paar Züge und schlafen ein. Wir sind richtig stoned, gottseidank kommt kein Gewitter. Nach zwei Stunden oder so sind wir wieder auf dem Damm. Es geht uns prächtig, der Freß-Flash meldet sich. An der Plaza sind noch ein paar Schuppen offen, viel ist aber nicht mehr los und von unserem Dampfer keiner mehr zu sehen.
Wir hauen uns den Ranzen voll, jede Menge Kuchen hinterher. Fürs Mi Ranchito ist es zu spät, die guten Senoritas sind bestimmt alle vergeben. Wir marschieren an Bord zurück und fühlen uns sauwohl.
Tags darauf erledige ich an Bord alle Verwaltungsarbeiten und bereite die Ausklarierung vor. Dann habe ich nichts mehr zu tun, gehe zum Alten und bitte offiziell um Urlaub. Ich habe keine Lust, mich tagsüber sinnlos an Bord aufzuschiessen.
„Hau bloß ab, Ik bruk di nich“ secht Kuddel.
Ich übergebe den Safe-Schlüssel dem Steuermann und hänge einen Zettel an die Funkraumtür: „Wegen Arbeitsüberlastung vorübergehend geschlossen. Vorschuß beim 2. Offizier.“
Kurz nach 17.00 Uhr bin ich auf der Plaza. Wieder sind mehrere Tische in deutscher Hand, schon fast jeder zweite unserer Leute ist ‚verheiratet‘. Mehr oder weniger stolz präsentiert man seine Eroberungen.
Unser Bootsmann pfeift mich heran, neben ihm sitzen der Bootsmann und ein Matrose eines im Hafen liegenden DDR-Dampfers. Beide sind Mecklenburger, total sympathisch und könnten ebensogut von unserem Schiff stammen. Nur am Salventakt ihrer Drinks merkt man schnell, daß sei kaum Pesos auf der Naht haben. Mit DDR Mark können sie hier nichts werden, nur in Cuba vielleicht und dort regiert trotz Fidel der Dollar. Auch unser ‚Scheich‘ hat das gecheckt, also gehen ihre Drinks ab sofort auf unsere Deckel. Wir bestellen nur noch Runden.
Gegen 18,00 Uhr großer Jubel an den mesas alemanas, Kuddel S. wird gesichtet. Er ist wieder ganz in Weiß – heute ohne ‚feuchten Pups‘ – frisch geduscht und gekämmt.
Sein rotes Gesicht mit der noch röteren Nase leuchtet, ein breites Grinsen liegt auf seinen Zügen.
Auch unsere Senoritas stimmen in das Begrüßungsgeschrei ein „Aqui Capitano“ und „Venga Senor Capitan“ usw. schallt es ihm entgegen.
Kuddel schreitet mit schief angelegtem Kopf regelrecht die Front ab und mustert seine Truppe wohlgefällig. Doch er setzt sich nicht zu uns sondern dreht eine Runde um die Plaza. Als er wieder an uns vorbei defilieren will, stelle ich mich in seinen Weg, reiße den Arm hoch zum militärischen Gruß und melde laut:
„Herr Kapitän, ich melde die Besatzung bei der Freizeitgestaltung. Keine besonderen Vorkommnisse.“
Kuddel hat auch gedient und grüßt zurück: „Danke, weitermachen.“
„Herr Kapitän, wir möchten sie zu einem Drink einladen, setzen sie sich doch zu uns.“
„Wenn das so ist..“
Wir schieben die Tische zusammen und Kuddel thront in der Mitte. Die Mädchen schwirren natürlich hauptsächlich um ihn herum, er fühlt sich wie ein Pascha. Die Birne strahlt. Plötzlich stutzt er:
„Wo ist denn deine Frau, du warst doch gestern auch schon an Land?“
„Ich war bei der Waschfrau eingeladen“ fällt mir ein, „aber die war nicht mit mir zufrieden.“
Er murmelt etwas von verarschen und: „Morgen will ich deine Frau sehen oder der Urlaub ist gestrichen. Muß ich denn hier alles alleine machen?“
„Geht klar, Herr Kapitän.“
Es herrscht eine Bombenstimmung. Kuddel trinkt auch hier nur Bier. Sofort ist eine Mariachi-Gruppe bei uns und der Alte bestellt drei mal hintereinander „Guantanamera“ . Wahrscheinlich verbindet er eine angenehme Erinnerung mit dem Song.
Ein paar Tische weiter spielt eine andere Gruppe, man sucht sich gegenseitig zu übertönen. Das paßt Kuddel überhaupt nicht. Er steht auf und geht zur Konkurrenzband an den Nachbartischen. Der Alte redet auf die Senores ein, vermutlich plattdeutsch und zeigt auf unseren Tisch.
Tatsächlich kommen die Herren herüber, unterhalten sich mit den Mitgliedern unseres Ensembles und bauen ihre Instumente auf. Dann schnappt sich Kuddel die nächste Gruppe, am Ende stehen alle vier Mariachi-Bands der Plaza an unserem langen Tisch und legen los. Ich weiß nicht, wieviel der Alte gelöhnt hat, aber alleine schon, die harte Konkurrenz zusammenzubringen, das schafft außer ihm wohl keiner. Das meinen jedenfalls die Mädchen.
Nun dirigiert er mit fuchtelnden Armen wie ein Furtwängler zwei Xylophone, fünf Trompeten, acht Gitarren, Bongos und Rhumbarasseln. Der Chor der Sänger harmoniert perfekt. „Guantanamera“ singt der Alte mit und lächelt selig.
Donnernder Applaus der ganzen Plaza.
Der Ossie-Bootsmann hat einen ungläubigen Ausdruck in den Augen. Ich kann ihn verstehen. So einen Kapitän wünscht er sich auch. Dafür würde er sogar auf seinen Politoffizier verzichten.
—–
Zwei Stunden später im Mi Ranchito sehe ich sie.
Sie tanzt mit einem dicken Mexikaner. Ihr gertenschlanker Körper biegt sich anmutig in einem kurzen roten Kleid, das die rassigen Beine kaum verhüllt. Ihre schwarzen Haare sind kurz geschnitten, die Brüste nicht zu groß und der Hintern traumhaft modelliert.
Ein Königskind. Der dicke Mexikaner tanzt gut, trotz seiner Körperfülle. Sie setzt sich nicht an seinen Tisch sondern unterhält sich mit einem jungen Typen am anderen Ende der Bar. Ich würde meine ganze Kohle dafür geben, mit dieser Frau abziehen zu können.
Dann tanzt sie mit dem jungen Typ, die beiden sind ein hübsches Pärchen. Ewig schade, daß sie hier auf diese Art ihr Geld verdienen muß. Der Junge kann genauso wenig tanzen wie ich, er hopst nur herum. Aber sie steht scheinbar auf schwofen. Scheiße, wie mach ich’s bloß.
Da erscheint unser Leichtmatrose mit seiner Braut, heute noch nüchtern. Er pflanzt sich neben mich, Madame muß aufs Örtchen.
„Na, noch alleine?“ will er wissen.
„Ich bin noch nicht lange hier, aber gesichtet hab ich schon was.“
„Wird schon werden.“
Madame hat sich gepudert und kommt zurück. „Ah, telegrafista. Como estas, amigo?“
„Esta bien, gracias.“ Ich lade die beiden zu einem Drink ein. Wir reden über die vergangene Nacht und lachen viel. Sie hat ihn einfach abgeschleppt und im Hotel ausnüchtern lassen. Danach sei man doch noch zur Sache gekommen. Jedenfalls sind beide gut drauf.
Da durchzuckt mich ein elektrischer Schlag. Mein Königskind kommt direkt auf uns zu. Die beiden Mädchen umarmen und küssen sich. Sie sind Freundinnen. Wie immer in solchen Situationen bin ich völlig befangen. Ich bekomme das Maul nicht mehr auf und vergesse sogar, ihr einen Drink anzubieten. Das macht der Leichtmatrose für mich. Dann versuche ich es doch mit einer Zigarette. „Quieres un cigarillo?“ Sie lächelt und will. Ihr jungenhaftes Gesicht paßt zur Frisur. Die Augen schimmern in unbeschreiblichem Glanz und die vollen, ungeschminkten Lippen sind sinnlich geschwungen. Sie sieht mich an, ich versinke sofort in diesen Augen. Ich vergesse alles um mich herum und sehe nur noch dieses Gesicht. Ich brenne. Der Leichtmatrose stößt mich mit dem Ellenbogen an.
„Komm zu dir. Ist sie das?“
„Klar Mann.“
„Den Funker hat’s erwischt“ wird er am anderen Tag an Bord erzählen. „Ich glaub, wir bestellen schon mal das Aufgebot.“
Sie heißt Linda und spürt, was mit mir los ist. Scheinbar gefällt es ihr.
„You are a bit shy, aren’t you“ fragt sie plötzlich in stark amerikanisch gefärbtem Englisch.
Ich bin überrascht. „Right, you’re making me completely nervous.“
Sie lacht und rückt näher. „Nevermind, as long as you are not afraid of me.“
Ich muß hier raus, gleich schleppt sie mich auf die Tanzfläche.
„What about having dinner somewhere downtown?“
„Sure, if you like.“ Mir fällt ein Stein vom Herzen.
An der Tür lehnt lässig der junge Typ. Die beiden sprechen kurz miteinander. „Mi hermano“ sagt sie dann. Wir geben uns die Hand, er sieht mich ziemlich unfreundlich an.
„Hay un cigarillo?“ fragt er dann aber doch. „Seguro“, ich gebe ihm das Päckchen.
Wir machen einen großen Bogen um die Plaza, das kann ich jetzt nicht gebrauchen. Sie führt mich zu einer kleinen Bude am Strand.
„Do you really want to have a big dinner?“ hatte sie vorher gefragt.
„Not really. I just wanted to get away from that place.“
„I see.“
Nun sitzen wir vor der Hütte im Sand, essen Tortilla und trinken Cola. Dann spazieren wir am Wasser entlang, die Schuhe in den Händen. Bald liegen wir wieder im Sand. Das ist der Abend, von dem ich geträumt habe, unzählige Male. In dieser Nacht habe ich küssen gelernt mit meinen fünfunddreißig Jahren. Als ich mehr will, entzieht sie sich „not here“ und bringt mich in ein kleines Hotel nicht weit vom Strand entfernt, etwas außerhalb der Stadt und sauber.
Linda kramt einen fertig gedrehten Joint aus ihrer Handtasche, wir drei beschäftigen uns miteinander. Ich kann diese Nacht nicht beschreiben, ich kenne die Worte nicht. Jetzt bin ich fünfzig Jahre alt, es ist nie wieder so gewesen.
„Would you like to see my place?“ fragt sie nach dem Frühstück.
„Yes, of course.“ Wir nehmen ein Taxi.
Linda wohnt am anderen Ende der Stadt, zweihundert Meter hinter dem Strand. Es ist ein Slumviertel. Das Elend ist nicht ganz so niederschmetternd wie in den Farvelhas von Rio, bei Tageslicht aber doch ziemlich erschütternd. Die Familie wohnt in vier Hütten, die ein Viereck bilden. Zwei der Hütten sind doppelstöckig. Durch die Anordnung entsteht ein Innenhof, ein Brunnen mit Handpumpe und Trog sowie ein großer Tisch bilden den Mittelpunkt.
Lindas Bruder wäscht sich gerade an dem Brunnen. „Hey marinero.“ Heute schaut er nicht mehr ganz so unfreundlich. Er heißt Ramon und ist achtzehn.
Papa ist nicht zu Hause, er arbeitet im Hafen. Mama besorgt irgendwo etwas Eßbares und eine lustige, zahnlose Oma hat einen kleinen Jungen auf dem Schoß, den Linda sofort auf den Arm nimmt. „My son“ erklärt sie.
Linda ist 22 Jahre jung, der kleine Billy wird demnächst eineinhalb. Sein Vater ist ein amerikanischer Tourist aus Kalifornien. Später zeigt sie mir ein Foto. Der große Billy sieht aus wie einer der Jungs aus den Surf Serien, die heute im Fernsehen als Seifenopern laufen.
„I knew he wouldn’t come back“ sagt Linda.
Das glaube ich ihr nicht so recht, warum spricht sie dann so gut englisch?
Linda geht mit dem Kleinen in eine der Hütten, um ihn zu versorgen. Oma schafft das nicht mehr so ganz.
Mittlerweile ist es recht heiß geworden. Ich hocke mich unter einen alten Baum, Ramon pflanzt sich daneben.
„Can you show me your ship?“ Auch er spricht leidlich englisch. Er geht nicht mehr zur Schule, hat auch keine Arbeit.
„Yes man, if you wish.“
„Now?“ Warum nicht, hier wird es sowieso zu heiß. Ich verabrede mich mit Linda für den Abend auf der Plaza, ins Hieranchito möchte ich nicht mehr. Wir schnappen uns ein Taxi und fahren zum Dampfer. Die Wache läßt Ramon ungehindert passieren. Das Schiff ist noch fast voll und liegt tief im Wasser. Trotzdem ist er beeindruckt.: „Big ship.“
Von Deck herunter grüßt der Leichtmatrose „Alles Paletti?“

Ramon entpuppt sich als lustiger Bursche. Er will alles genau wissen, besonders interessiert er sich für die Maschine. Der Chief läßt ihn überall herumkriechen, der Junge ist begeistert.
„I want to work here in the engine room.“ Das geht natürlich nicht. In der Kombüse staubt er eine Wurst ab, der Funkraum interessiert ihn weniger. Auf der Brücke stoßen wir auf Kuddel, der in Seekarten herumwühlt.
„Wen schleppst du denn da an, du sollst mir doch deine Frau vorstellen.“ Dann grinst er. „Meinst du, ich habe dich gestern nicht gesehen? Ich weiß Bescheid.“
Nun bin ich platt. Der Alte war also auch im Mi Ranchito, ich hatte ihn auf der Plaza vermutet. Anscheinend war ich wirklich etwas verwirrt am Tag zuvor.
Später zeigt mir Ramon, wo man am Strand Pferde mieten kann. Also holen wir uns zwei alte Klepper und spielen unter den Palmen Indianer. Dann geht’s ab ins Wasser, danach wird gepennt. Gegen Abend bringt mich der Junge zur Plaza und verdrückt sich.
Hier ist wieder Big Bambule. Jetzt hat schon fast ein jeder etwas fürs Herz gefunden, entsprechend gut sind alle drauf. Auch Klaus beschäftigt sich mit einer richtigen Prinzessin, natürlich hat sie ihn aufgerissen. Klaus läßt immer alles auf sich zukommen.
Niemand denkt mehr an die vergangene Scheißreise.
Da kommt Linda quer über die Plaza und setzt sich auf meinen Schoß. Ihr Kuß macht mich schon wieder ganz hibbelig, auf dem Schoß sollte sie auch nicht lange sitzen bleiben. Sie trinkt nur einen Campari, dann verziehen wir uns, Mama hat uns zum Essen eingeladen. Klaus und seine Prinzessin begleiten uns ein Stück, auch sie haben Besseres zu tun als zu saufen. Klaus ist wie ich ein großer Schmuser. Wir besorgen noch ein kleines Geschenk für Mama und Schokolade für Billy.
Abends verändern sich die Slums, das wirkliche Leben erwacht. Wenn die Sonne versinkt, wird es rasch dunkel, die Tropen kennen keine Dämmerung. Die Nacht umhüllt das Elend, Lampen und Feuer beleuchten nun Villen und Paläste.
Weiter hinten liegen die Hütten an einem Berghang und bilden eine nächtliche Traumkulisse. Grillen, Frösche und Nachtvögel stimmen ihr tropisches Konzert an, die Brandung schlägt einen langsamen Takt dazu.
Die Luft bleibt feucht und mild, erst gegen Morgen beginnt man leicht zu frösteln. Das Land kühlt schneller ab als das Meer, der schwache Wind weht jetzt auf See hinaus und trägt vielfältige exotische Gerüche davon.
Weit draußen, noch hinter dem Horizont, können die Seeleute das Land riechen.
Ihre Armut nimmt den Menschen nicht die Lebensfreude. Tausend Wünsche haben tausend Träume. Man denkt voraus. Nicht weit, manchmal bis zur nächsten Mahlzeit nur, Gewesenes ist schnell vergessen.
Wir sitzen um den großen Tisch herum, den Papa selbst gezimmert hat und essen aus Emailleschüsseln Bohnensuppe, eine Art Chilli con carne, nur schärfer. Ich brauche reichlich Bier, damit mir nicht die Flammen aus dem Hals schlagen.
Der Rest der Familie hat mich überaus freundlich aufgenommen, besonders die füllige Mama. Papa versteht eine Menge von Schiffen, doch Linda oder Ramon müssen für mich übersetzen. Er verdient im Monat im Hafen soviel wie Linda in zwei Nächten, wenn sie gute Touristen erwischt. Papas Lohn reicht auch bei der anspruchslosen heimischen Küche nicht einmal fürs Essen. Mama näht ein bißchen, Ramon führt Touristen herum, beklaut Maricones, wenn sich die Gelegenheit bietet und hat auch schon hin und wieder seine Schwester verkuppelt. Ähnlich wird die Zukunft des kleinen Billy aussehen.
Nach dem Essen setze ich mir Billy auf die Schultern und spaziere mit Linda durch das Slumviertel zum Strand hinab. Vor einer der Hütten hängt ein Schild „Bodega“, wir trinken Cafe Negro mit Cognac wie auf den Ramblas von Barcelona. Linda kennt alle Gäste, wir haben eine Menge Spaß. Dann schlägt sie vor, daß wir uns das Hotel sparen und ich bei ihr zu Hause schlafe.
„But no joints, Papa hates Marihuana. And, of course, I have no air condition.“
„Are you sure your parents won’t mind?“
„Yes, I am. Mama told me you belong to our family.“ Was ein kleines Geschenk nicht alles ausmacht.

Lindas Zimmer ist der obere Teil einer der beiden doppelstöckigen Hütten, unten schläft Ramon. Als wir zurückkommen, ist Papa vor seinem tragbaren Schwarzweißfernseher eingeschlafen. Mama werkelt in der Küche herum, es ist eine der kleinen Hütten, die andere beherbergt das Plumpsklo.
Wir setzen uns noch eine Weile an den Tisch im Hof. Linda spielt mir auf Ramons Recorder ihr Lieblingslied vor, „Hotel California“von den Eagles. Der kleine Billy schläft in meinen Armen. Ein anderer Song dieser Cassette, „One of these nights“, erinnert mich bis heute an die glücklichste Zeit meines Lebens. Nie wieder werde ich so unbeschwert sein können wie in den Tagen von Vera Cruz.
Später lege ich das Kind in ein selbstgebasteltes Bettchen in unserem gemeinsamen Schlafzimmer. Außer unserer Matratze, dem Kinderbett und zwei Kisten für die Wäsche hat der Raum keine Möbel. Lindas wenige Kleider hängen an der Wand.
Der leise Luftzug sorgt für eine angenehme Temperatur, als Bettdecke genügt ein einfaches Laken.
Wir liegen uns in den Armen und schlafen zusammen ein. Als ich wach werde, beleuchtet der Vollmond Lindas ruhig atmenden Körper. Sie meidet die Sonne, ihre Haut ist heller als die der anderen Mädchen, ein Gemälde von Meisterhand.
Ich küsse die Stirne, die Augen, ganz vorsichtig den leicht geöffneten Mund. Meine Lippen finden ihren Weg den Körper hinab und wieder herauf. Es fällt mir wahnsinnig schwer, mich zu beherrschen, aber ich darf dieses Bild nicht zerstören.
Dann legt sie im Schlaf den Arm um mich, ihr Atem streichelt mein Ohr.

Als Ramon später geräuschvoll nach Hause kommt, finden wir uns doch. Linda ist erwacht, nun spielen ihre Lippen mit mir, zärtlich und doch nicht ohne Begehren. Wir verschmelzen in vollendeter Harmonie der Körper und der Seelen.
Der kleine Billy ist als erster wach und läßt uns keine Ruhe mehr. Ich hole den Nackedei zu uns herüber, aber er will nicht mehr schlafen. Linda macht keine Anstalten, aufzustehen, also schlüpfe ich in meine Shorts und trage den Knirps die steile Holztreppe hinab. Ramon liegt nackt auf seiner Matratze und schnarcht leise. Oma sitzt vor ihrer Hütte und nimmt mir den Jungen ab. Mama rumort schon wieder in der Küchenhütte. Es riecht nach Kaffee. Ich wasche mich am Brunnen und schleiche in die Küche.
Mama strahlt mich an und überschüttet mich mit einem Wortschwall. Ich verstehe nur ‚Cafe‘ und nicke „Si, si, quiero.“ Der Kaffee ist viel zu dünn, ‚con leche‘ eben. Dazu gibt es süße Pfannkuchen, eine Art tortillas con frutas, sie schmecken ausgezeichnet.
Papa arbeitet bereits wieder im Hafen. Es wird schnell heiß, auch Linda hält es nun nicht mehr auf der Matratze. Sie kommt herunter und reibt sich verschlafen die Augen. Sogar Ramon ist aufgewacht, beide waschen sich am Trog, während ich mit Mama herumalbere. Der Boden der Küche besteht aus festgestampftem Lehm, bei Regen bestimmt keine angenehme Angelegenheit.
Mir kommt eine Idee, ich erinnere mich daran, daß ich Maurer gelernt habe. Wir besprechen die Sache, Mama ist erfreut. Ramon begreift, daß er heute als mein Assistent hart arbeiten muß. Er ist sofort dabei und sucht nicht nach Ausreden.
Wir marschieren auf den Dampfer, ich brauche ohnehin T-Shirts und Unterhosen. Der Bootsmann leiht mir das schiffseigene Maurerwerkzeug, das an Bord zur Herstellung von Zementkästen bei Leckagen benötigt wird.
Auf dem Rückweg laden wir vier Sack Zement in ein Taxi und schleppen vom Strand Sand herauf. Wir räumen die Küchenhütte aus, ich lade die ganze Familie für den Abend zum Essen ein. Ich bringe Ramon das Betonmischen von Hand bei, er schnallt es sofort.
Nach drei Stunden hat die Küche einen tadellosen Estrichboden mit leichtem Gefälle, damit das Wasser gut abläuft. Ramon ist stolz und Mama begeistert, nun kann sie mit einem einzigen Eimer Wasser in elegantem Schwung in der Küche ‚Reinschiff‘ machen.
Wir wässern den Beton mehrmals, damit die Bodenplatte in der Hitze nicht zu schnell abbindet und reißt.
Als Papa nach Hause kommt, ist er überrascht und will wissen, wo ich das Betonieren gelernt habe. Ich erkläre, das gehöre in Alemana zur Ausbildung der Funkoffiziere. Er versteht den Witz nicht und klopft mir anerkennend auf die Schulter. Nur ins Restaurant will er nicht, er ist zu müde. Also besorge ich mit Ramon eine ausgiebige Mahlzeit und eine Kiste Bier aus der Bodega. Alle sind zufrieden.
Die sorglosen Tage vergehen im Flug. Tagsüber hänge ich viel mit Ramon herum, Linda will nicht in die Sonne. Der Junge zeigt mir alles, was es in Vera Cruz zu zeigen gibt. Wir sind gute Freunde geworden. Einmal fragt er „Will you marry my sister?“ Was soll ich da sagen.
„I know why you won’t marry her because you are already married.“
„No amigo, I’m not married anymore. I was married but I’m separated now.“ Er fragt nicht weiter.
Dann gehe ich mit Linda und Billy ‚shopping‘ . Wir kaufen Klamotten und Spielzeug für den Kleinen und einen Fummel für Linda. Bisher habe ihr noch keinen Peso Bargeld gegeben, sie hat auch nicht danach gefragt. Wenn wir auslaufen, werde ich ihr meine übriggebliebenen Peso schenken, es werden umgerechnet etwa 200 Mark sein und sie wird einen Monat gut davon leben können. Ramon schenke ich eine Original Levis und ein paar meiner T-Shirts, er freut sich riesig.
Hin und wieder lasse ich mich an Bord sehen, es liegt nie etwas an. Manchmal schauen wir auch auf der Plaza vorbei, verschwinden aber meist schnell wieder. Die meiste Zeit verbringe ich mit Ramon am Strand und mit Linda auf der Matratze.

Dann, an einem Sonntag, ist sie da, die bittere Stunde. Linda bringt mich zum Schiff, vor der Wache zum Hafen bleiben wir stehen.
Ich versinke noch einmal in diesen Augen, in deren Glanz nun Tränen schimmern.
„I’m coming back“ , mehr kann ich nicht sagen, die Kehle ist zugeschnürt.
„That’s exactly what Billy said“ flüstert sie.
Wir halten uns endlos lange umschlungen, ich presse die Lippen auf ihren Hals und die Schulter. Sie weint hemmungslos, ihr Körper schüttelt sich. Ich halte sie noch fester.
„I’m coming back, I promise.“
Es ist die schlimmste Lüge meines Lebens geworden.

 

 

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Das ist die Geschichte von Karl Eduard Henn, wie er seine große Liebe fand in Veracruz im fernen Mexiko, und sie doch wieder verlassen hat. Wie er das Schicksal vieler Seeleute teilte, zu leben wie es Hannes Wader sang: Heute hier, morgen dort, bin kaum da muss ich fort,…..
Und dann nicht vergessen zu können.

 

Das Alles ist jetzt schon lange her, eine ganze Generation kann man sagen.

Karl lebt nicht mehr, er hat seine Sehnsucht nach jenen Tagen, die er hatte sein ganzes Leben lang, mit ins Grab genommen.

 

Aber ich wollte, dass diese Sehnsuch, diese Geschichte, diese Erinerung, nicht einfach verschwindet.

 

Und ich glaube, es hätte ihm gefallen. Hoffe ich zumindest.  Meinem Funkmeister von damals, von der Heide Leonhardt.