Denkt wer was bei Domain-Namen, Benennung von Internetangeboten, Webauftritten?

Also, das war vor kurzem mein erster Gedanke, als ich von dem neuen Webauftritt, wischetext.de, einer jungen Bekannten, Kerstin Alter, hörte.

Vorauszuschicken ist, dass sie selbstverständlich eigentlich eine alte Bekannte ist, was ich aber nie zu sagen wagen würden, weil sie ja, gerade im Bezug zu mir, noch jung ist.

Dazu sagen muss man weiter, dass sie so richtig studiert ist. So mit fremden Sprachen, und das, was für mich spanische Dörfer sind soll ihr tägliches Brot sein, sprachlich gesehen, gelernt in Spanien, wenn auch nicht in einem Dorf. Und das noch dazu nur nebenbei, weil sie mehr dem Englischen frönt. Also dem Dolmetschen und Übersetzen. Und das auch noch so richtig diplomiert und geprüft und vereidigt und zugelassen.
Als Translatorin halt (was auch immer das ist, ich neige nach wie vor zu dem einfachen Dolmetscher), und zwar sowohl für Spanisch als auch für Englisch.

Und diese hoch qualifizierte junge Dame nennt ihre Seite einfach Wischetext.de. Na gut, so als Logo geschrieben ein wenig aufgepeppt zu Wische::Text. Aber auch kein großer Unterschied.

Und da hab ich mir gedacht, hat sie sich dabei was gedacht?
Denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie sich das mit ihrem Berlin-und-Malaga-studiert-haben-Hintergrund gedankenlos auf so einen Namen eingelassen hat.

Und dann habe ich mir weiter gedacht, dass wohl gar mancher sich nicht nur bei WischeText fragt, was das soll, sondern auch bei Grobwerk. Und dass da ganz schöne viele (zugegebenermaßen beim Grobwerk eher dumme) Gedanken dahinter stecken, oder zumindest stecken können, oder könnten.

Also schauen wir uns erst einmal Grobwerk.de an:

Einfach ein Blog. Mit Texten von verschiedenen Leuten, aus verschiedenen Sichtweisen, nicht zu sehr ernst gemeint. Bis auf manchmal, wo es sehr ernst sein soll. Mit einer Themenvielfalt, die eigentlich sogar noch größer sein müsste.
Gedanken und Bilder zu den kleinen Fährnissen des Lebens. Erleben aus der direkten Umgebung. Erinnerung an Vergangenes. Gedanken zu den Problemen der Welt und des Universums. Öffentlich gemachte Erinnerungen und Hinweise auf Dinge, Musik, Bilder, Geschehnisse, die eigentlich nur dem Autor etwas bedeuten. Gedankenbilder, die der Autor einfach versucht, fremden Lesern, oder auch bekannten, aufzudrängen. Und damit mit seinen Gedanken und Gedankenbildern Zugang zu fremden Gehirnen zu finden.

Das ist ja nun mal, auch wenn es subtil versucht wird, nicht besonders nett, oder. Nicht feinfühlig – vornehm – zurückhaltend, also unserem eigentlichen Naturell entsprechend. Sondern eher grob. Und noch dazu ein Machwerk.

Dazu kam dann noch, dass, wie das bei älteren Leuten manchmal so ist, im Hinterkopf irgendwo Zusammenhänge mit anderen Bildern aufdrängen, mit Musik, und sich dann durch indirektes Einwirken des Hinterkopfes sich ein eigenes Bild bildet. Ein Bild von einem Film aus alten Tagen. Ein Film von Stanley Kubrick: Uhrwerk Orange.
Englisch gesehen (womit schon wieder der Bogen zum Übersetzen aus oder in das Englische geschlagen ist) war das die Verfilmung des Buches von Anthony Burgess, A Clockwork Orange. Und Clockwork, also irgendwie klingt das ja so ein kleines Bisschen wie Grobwerk, oder etwa nicht.
Und schon hatten wir einen Namen.

Und ob ihr es glaubt oder nicht, wir haben uns sogar weiterhin Gedanken gemacht!!
Schaut einmal auf das Hintergrundbild.
Auf der linken Seite saust ein schwerer Schmiedehammer auf den Amboss zu. Auf dem liegt eine eher zierliche Taschenuhr, wenn nicht sogar ein Taschenregulator. Also, ein, wenn auch umhülltes, Uhrwerk. Und so mit einem feinen Clockwork umzugehen, ist doch schon ziemlich grob!
Und dann mal genauer schauen:
Um die Uhr, was sieht man da? Richtig, einen orangefarbenen Schein. Womit wir wieder beim Clockwork Orange wären.
Und fünf vor Zwölf ist es auch noch, wie so oft im Leben.

Der Kerl oben im Titel, der fühlt sich garantiert auch grob, grob daneben nämlich, nach einer Nacht, die der Bekämpfung eines Nahrungsmittelgiftes, das aus der Gruppe der klaren, farblosen, würzig riechenden und brennend schmeckenden, leichtentzündlichen, hygroskopischen Flüssigkeiten kommt, durch Inkorporation gedient haben könnte, die vielleicht gemöpselt haben könnte, wie bei einem anderen bekannten Menschen bei der Durchquerung des Spessarts.
Oder vielleicht ist er auch dem SikgStB begegnet und hat sich auf ein kurzes Gespräch eingelassen, so eine Woche vorher. Oder hat ihm gar widersprochen, ob nun ausdrücklich oder nicht. Und das dann, ohne vorsichtshalber dunklen karibischen Rum zur Hand zu haben!
Auf jeden Fall gibt er zu erkennen, dass er sozusagen nicht zu Werke ist, außer Betrieb, grobe Störung.

Das Ganze wäre sogar noch besser, wenn ich mich damit durchgesetzt hätte die Seite permanent im Hintergrund mit Beethovens Neunter Symphonie zu beschallen. Aber das wurde, aus welchen Gründen auch immer, die ich nie verstehen werde, abgelehnt. Ja mir wurde sogar untersagt, auch nur das kleinste bisschen Musikhintergrundbeschallung zu schalten, egal ob Beethoven oder Souad Massi, Runrig oder Doro Pesch.

Kulturbanause!

Ähhh, also was ich eigentlich sagen wollte ist ja, dass hier hinter dem Domain-Namen also durchaus schon Gedanken und Gründe stecken.

Und da habe ich dann gedacht, vielleicht hat ja auch Frau Kerstin Alter sich was dabei gedacht?
Kleine Abschweifung: Wie soll bei ihr jemals das Prinzip Alter geht vor Schönheit verwirklicht werden?

Zurück zum Thema:
Ich habe also nachgedacht, was sie gedacht haben können könnte.

Nach Abklingen der Kopfschmerzen, verursacht nicht durch obige Flüssigkeit, sondern von dem Versuch, sich in weibliche Gedankengänge einzudenken, habe ich mir dann folgendes zusammengereimt:

Also die Frau Kerstin Alter, also die, die wohnt ja nicht mehr in Berlin.
Das war ihr zu groß. Und da hat sie sich was kleines gesucht. Aber sehr zentral gelegen, muss man schon sagen. Also alles in erreichbarer Nähe. Von Berlin über Braunschweig, Hamburg, Hannover, Kiel, Lübeck über Potsdam und Rostock, alles zwischen 140 und 200 km entfernt. Erreichbar, aber im Interesse des gesunden Lebens nicht direkt daneben.
Dafür hat sie aber sozusagen den einzigen Ort in Deutschland fast vor der Nase, in dem es garantiert nie zu einem atomaren Endlager kommen wird, nämlich Gorleben.

Und noch dazu in fröhlicher Nachbarschaft, denn nebenan liegt Kietz!

Und wo liegt nun dieser beschauliche Ort?
Also, man traut es sich ja fast nicht zu sagen, fast im Naturpark Elbtalaue, verwaltet von Lenzen. Und wer sagt schon gerne, wenn er gefragt wird, wo er herkommt, aus Lenzen, weil das so nach Abpumpen klingt.

Genauer, aus einem Teil von Lenzerwische in der gleichnamigen Gegend, weil die heißt auch Wische.
Das soll so was wie eine Feuchtwiese sein und nicht, entgegen anders lautender Gerüchte, darauf zurückzuführen sein, dass in einer frühen Phase der Völkerwanderung dort sowohl die Angeln und Sachsen auf den Weg zu einer sehr großen Nordseeinsel als auch Teile von Westgoten und Wandalen auf dem Weg zu einer südeuropäischen Halbinsel, jeweils mit dem Ziel zur Vertreibung der dortigen Kelten, und sogar die Friesen auf dem Weg zur Küste, wo damals dann das Meer angefangen hat, periodisch zu fliehen, durchgekommen sind und angeblich jedes Mal die dort ansässigen Wenden kurzzeitig weggewischt haben.
Aber die Wenden waren und sind zäh, was ja schon die nahe gelegene Freie Republik Wendland zeigt, während die Durchgezogenen sich nun Spanier und Engländer nennen.

Allerdings würde das dann auch wieder die Ortswahl erklären, weil es sich dann um einen der wenigen Punkte, bedingt durch das Flussknie, handeln würde, an dem alle von ihr meisterlich beherrschten Sprachen früher mal vertreten waren.

Und nachdem es „Übersetzungsbüros“ und „Dolmetscherservice“ mit Namenszusätzen schon wie Sand am Meer gibt, was mich gleich wieder an Strand und Baden erinnert, war dann der Wische::Text doch eigentlich eine gute Idee. Noch dazu, wenn man bedenkt, dass ansonsten bei jeder Namenswahl, die den Einsatz des eigenen Namens mit einbezogen hätte, immer die Möglichkeit für Missverständnisse bestanden hätte. Denn Alter, na ja, ist ja schön, aber nicht für jeden erstrebenswert, auch wenn hier das Alter eigentlich keine Rolle spielen dürfte und dafür der NAME Alter durch das vorangestellte Kerstin doch deutlich gewinnt.

Also, um auf den Ausgangspunkt zurück zu kommen, anscheinend denkt sich schon wer was bei Domainnamen.

Jetzt bin ich nur gespannt, was sie dazu denkt, was ich denke, was sie gedacht hat J

PS: Eines zeigt das Ganze aber deutliche: Internet und Denken sollen sich nicht ausschließen, und schließen sich auch nicht gegenseitig aus!

PPS: Viel Glück, Kerstin, mit dem Übersetzungsbüro und dem Dolmetscherservice!