Nun ist er wieder da. Und wieder ein mal ganz plötzlich und unerwartet, völlig überraschend und trotzdem.

Der Advent.

Nun beginnt sie, die stille Zeit der Besinnung in Vorbereitung auf das kommende Wiegenfest des HERRN, Weihnachten halt.
Kaum unterbrochen von dem leisen Rieseln von Schnee, sanften Klängen von feierlicher Musik aus (überall) versteckten Quellen, Wham rund um die Uhr seit Last Christmas in allen Ohren, aller Orten Weihnachtsmärkte mit beschaulichen Glühweinständchen, umlagert von in stillem Gespräch vertieften Andächtigen bei der Besprechung der letzten Fußball- und Beziehungsbegegnungen, halt immer mit denen vom Nachbar-Nachbarstand und beschwingt vom würzigen Duft des Glühweines (nehm ich wenigstens an, dass es vom Duft ist).

Und nun flackern sie auch wieder auf, die verträumten Lichtlein in den Fenstern und auf den Kränzen, und ein jeder freut sich über ein jedes dieser Lichtlein beim Nachbarn. Freut sich mit und für den Nachbarn.
Menschen wie du und ich halt, die nichts weiter wollen, als ein feierliches Lichtlein in die dunkle Zeit des Advent zu stellen!!!

In einer quasiwissenschaftlichen Schriftenreihe einer Studie über die Sozio-Ökonomischen Verhältnisse in einer norddeutschen Kleinstadt ist dies sehr schön aufgefangen, was der Geist dieser Zeit ist.

Hier kann man sich anhören, was die Studie ergab.

Oder man kann es auch nachlesen:

Weihnachtsbeleuchtung in Stenkelfeld

Sonntag, 1. Advent 10.00 Uhr.
n der Reihenhaussiedlung Önkelstieg lässt sich die Rentnerin Erna B. durch ihren Enkel Norbert drei Elektrokerzen auf der Fensterbank ihres Wohnzimmers installieren. Vorweihnachtliche Stimmung breitet sich aus, die Freude ist groß.

10 Uhr 14:
Beim Entleeren des Mülleimers beobachtet Nachbar Ottfried P. die provokante Weihnachtsoffensive im Nebenhaus und kontert umgehend mit der Aufstellung des zehnarmigen dänischen Kerzensets zu je 15 Watt im Küchenfenster. Stunden später erstrahlt die gesamte Siedlung Önkelstieg im besinnlichen Glanz von 134 Fensterdekorationen.

19 Uhr 03:
Im 14 km entfernten Kohlekraftwerk Sottrup-Höcklage registriert der wachhabende Ingenieur irrtümlich einen Defekt der Strommessgeräte für den Bereich Stenkelfeld-Nord, ist aber zunächst arglos.

20 Uhr 17:
Den Eheleuten Horst und Heidi E. gelingt der Anschluss einer Kettenschaltung von 96 Halogen-Filmleuchten durch sämtliche Bäume ihres Obstgartens ans Drehstromnetz. Teile der heimischen Vogelwelt beginnen verwirrt mit dem Nestbau.

20 Uhr 56:
Der Discothekenbesitzer Alfons K. sieht sich genötigt, seinerseits einen Teil zur vorweihnachtlichen Stimmung beizutragen und montiert auf dem Flachdach seines Bungalows das Laseresemble Metropolis, das zu den leistungsstärksten Europas zählt. Die 40m Fassade eines angrenzenden Getreidesilos hält dem Dauerfeuer der Nikolausprojektion mehrere Minuten stand, bevor sie mit einem hässlichen Geräusch zerbröckelt.

21 Uhr 30:
Im Trubel einer Jul-Club-Feier im Kohlekraftwerk Sottrup-Höcklage verhallt das Alarmsignal aus Generatorhalle 5.

21 Uhr 50:
Der 85jährige Kriegsveteran August R. zaubert mit 190 Flakscheinwerfern des Typs Varta Volkssturm den Stern von Bethlehem an die tiefhängende Wolkendecke.

22 Uhr 12:
Eine Gruppe asiatischer Geschäftsleute mit leichtem Gepäck und sommerlicher Bekleidung irrt verängstigt durch die Siedlung Önkelstieg. Zuvor war eine Boing 747 der Singapur Airlines mit dem Ziel Sydney versehentlich in der mit 3000 bunten Neonröhren gepflasterten Garagenzufahrt der Bäckerei Bröhrmeyer gelandet.

22 Uhr 37:
Die NASA Raumsonde Voyager 7 funkt vom Rande der Milchstraße Bilder einer angeblichen Supernova auf der nördlichen Erdhalbkugel. Die Experten in Houston sind ratlos.

22 Uhr 50:
Ein leichtes Beben erschüttert die Umgebung des Kohlekraftwerks Sottrup-Höcklage, der gesamte Komplex mit seinen 30 Turbinen läuft mit 350 Megawatt brüllend jenseits der Belastungsgrenze.

23 Uhr 06:

In der taghell erleuchteten Siedlung Önkelstieg erwacht Studentin Bettina U. und freut
sich irrtümlich über den sonnigen Dezembermorgen. Um genau 23 Uhr 12 betätigt sie den Schalter ihrer Kaffeemaschine.

23 Uhr 12 und 14 Sekunden:
In die plötzliche Dunkelheit des gesamten Landkreises Stenkelfeld bricht die Explosion des Kohlekraftwerks Sottrup-Höcklage wie Donnerhall. Durch die stockfinsteren Ortschaften irren verwirrte Menschen, Menschen wie du und ich, denen eine Kerze auf dem Adventskranz nicht genug war.

Also, immer darauf achten, die Kaffeemaschine nur tagsüber zu benutzen,

besonders im Advent!!!!